Flugsporttradition soll Gera erhalten bleiben - Luftsportverein Gera investiert in die Zukunft und kauft Halle aus den 50er-Jahren


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Ein Segelflugzeug wird am Flugplatz Gera-Leumnitz mit einer Wilga 35 auf die gewünschte Ausklink- Höhe Foto: Peter Michaelis

Gera. Es gibt ihn noch, den Segelflugsport in Gera. Zwar ist es in den letzten Jahren um den Luftsportverein Gera etwas still geworden, doch hinter den Kulissen war es alles andere als ruhig. Viele Hürden galt es zu überwinden. So musste beispielsweise der Flugzeugpark an die sinkenden Mitgliederzahlen angepasst werden. Dabei galt es die Attraktivität und vor allem die Bezahlbarkeit dieses Sports zu wahren, damit dieser auch weiterhin einem breitem Publikum zugänglich ist.

Doch auch der Blick nach vorn lässt erkennen, dass der weitere Weg nicht einfach werden wird. Dazu ein Rückblick in das Jahr 2009: Neben der Segelflughalle, in der noch heute fast die gesamte Technik der Segelflieger stationiert ist, nutzte der Verein das damalige Unterkunfts- und Schulungsgebäude der ehemaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) eingangs des Flugplatzes als Vereinsheim. Der bauliche Zustand und die Größe des in die Jahre gekommenen Gebäudes machten allerdings den Umzug in ein neues Vereinsheim notwendig.

Gefunden wurde das neue Domizil, was mit viel Arbeit, Zeit und Geld hergerichtet wurde, in der ehemaligen Flugplatzgaststätte „Zum Doppeldecker“ im alten Tower. Eigentümer und Vermieter war die Flugbetriebsgesellschaft mbH Gera (FGG), ein Tochterunternehmen der Stadtwerke AG Gera. Im Jahr 2014 kam es zur Insolvenz der Stadtwerke, von der auch die Betreibergesellschaft des Flugplatzes betroffen war. Dadurch verschlechterte sich die finanzielle Lage der Stadt Gera, die folglich nach neuen Einnahmequellen suchte und alle Ausgaben auf den Prüfstand stellte. Da der Rotstift auch im Bereich Sport angesetzt wurde, war die Zeit der günstigen Mietverträge für die Sportstätten der Geraer Vereine vorbei. „Altlasten“ wollte man möglichst verkaufen.

Somit war das Schicksal des alten Towers und einiger anderer Gebäude auf dem Flugplatz besiegelt. Die Immobilien wurden verkauft, teilweise abgerissen oder einer anderen Nutzung zugeführt. So fiel auch das Vereinsheim der Luftsportler der Abrissbirne zum Opfer. Damit es weiter gehen konnte, wurden einige Räume in den neueren Flugplatzgebäuden angemietet.

Ein Flugsportverein benötigt aber nicht nur Räumlichkeiten, für soziale und bürokratische Erfordernisse, sondern auch eine Halle, um Flugzeuge, Winden und Bodenfahrzeuge unterzustellen. Und nun stand diese, von den Geraer Segelfliegern Mitte der fünfziger Jahre erbaute und noch heute von den Flugsportlern genutzte Halle plötzlich zum Verkauf.

Was sollte man nun tun, kaufen oder nicht? Zu einem Schnäppchenpreis wollte die Stadt die Halle nicht hergeben. Lang wurde darüber im Verein beraten, denn die Halle ist noch auf dem baulichen und technischen Stand von 1956. Durch die FGG über die Jahre zugesagte Reparaturen und Erneuerungen wurden kaum realisiert. Heute ist das Dach undicht, manche Teile der Halle sind nicht mehr nutzbar und müssen wahrscheinlich abgerissen werden und die Tore, die nun schon über 62 Jahre im Einsatz sind, verrichten nur noch äußerst widerwillig ihren Dienst und müssen somit auch erneuert werden.

Also doch nicht kaufen? Dann hätte wohl die lange und über Generationen mit viel Arbeit aufgebaute Luftsporttradition in Gera ihr jähes Ende gefunden, denn eine Anmietung von Stellplätzen und Räumlichkeiten ist für einen kleinen Flugsportverein nicht realisierbar.

Auch aus diesen Gründen hat sich die Mitgliederversammlung des LSV Gera dazu entschlossen, den Kauf zu tätigen. Mittlerweile hat Florian Liebetrau, erster Vorsitzender des Vereins, den Kaufvertrag mit der Stadt Gera unterzeichnet.

Für Herbst 2018 ist wieder ein Schnupperfliegen geplant. Informationen dazu werden auf der Vereinshomepage www.gera-segelflug.de veröffentlicht.

Andreas Grotzke