Oldtimer malen in Gera am Himmel: Erstmals findet die Vintage Aerobatic World Championship in Deutschland statt und zwar in Gera.


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Rainer Berndt ist einer der Organisatoren der Weltmeisterschaft und nimmt mit seiner Bücker Jungmeister selbst am Wettkampf teil. Foto: Peter Michaelis

Flugzeuge rollen sich mehrfach um die eigene Achse und setzen zum Looping an. Andere tanzen am Himmel und ihre Figuren fügen sich zu einem Kleeblatt zusammen. Waghalsige Szenen spielen sich in der Luft ab. Furchtlos bringen die Piloten ihre Maschine in die Rücken- und Seitenlage oder trudeln. Da stockt dem Zuschauer am Boden schon mal der Atem.

Solche Kunststücke sind bei der Vintage Aerobatic World Championship zu sehen, die am Donnerstag beginnt. Erstmals wird die Weltmeisterschaft klassischer Kunstflugzeuge außerhalb von Dänemark ausgetragen. Ein dreiköpfiges Team holte die Veranstaltung nach Gera-Leumnitz. Heute reisen alle an.

Bis Samstag kreisen die Piloten mit ihren Oldtimern über dem Flugplatz. Die Flugzeuge müssen mindestens 50 Jahre alt sein. 32 Teilnehmer haben sich angemeldet. Sie kämpfen in fünf Kategorien um den Titel des Weltmeisters im Oldtimer Kunstflug. Die weiteste Anreise nehmen Gail und Doedo Schippers in Kauf. Sie haben sich aus dem US-amerikanischen Denver aufgemacht. Fünf Männer aus Großbritannien fliegen unter anderem mit einer Slingsby T 67 Firefly direkt nach Gera. Andere kommen aus der Schweiz, Belgien und aus Schweden. Sie sitzen zum Beispiel in einer Focke-Wulf Fw 44 „Stieglitz“, Zlin Z-226 oder Bölkow Junior. Aus Gera wollen drei Teilnehmer an den Start gehen. Rainer Berndt aus dem bayerischen Landshut mit Zweitwohnsitz in Burkersdorf (Harth-Pöllnitz) gehört neben Bernhard Drummer und Oliver Heupel zu den Organisatoren des sportlichen Teils. Der 56-jährige Geschäftsführer wird mit einer Bücker Jungmeister, Baujahr 1940, um den Titel in der schwersten Kategorie Rolling Circle ringen. „Mein Doppeldecker hat eine Spannweite von 6,60 Metern und einen 160 PS starken Sieben-Zylinder-Sternmotor von Siemens“, erzählt er. „Er war damals das beste Kunstflugzeug der Welt und wird als die Stradivari der Lüfte bezeichnet. Gut abgestimmt in den Rudern, folgsam, sehr exakt und robust“, erklärt Berndt.

Erst nach der Wende machte der heutige Geschäftsführer einer mittelständigen Entsorgungsfirma seinen Flugschein. Der Erstflug ging gleich von Landshut nach Gera. Seit 2000 ist Rainer Berndt in der Kunstflugszene. Jene Fluggeräte seien am einfachsten zu fliegen, behauptet er. „Und wenn alles funktioniert, bin ich nur glücklich“, beschreibt er seine Leidenschaft. „Außerdem habe ich mich schon in der Kindheit mit Modellfliegern beschäftigt.“

Als Mitglied der Nationalmannschaft im Motorkunstflug der Advanced Klasse ist der ­56-Jährige auf vielen internationalen Wettkämpfen präsent und lernte die Gründer der Vintage Aerobatic Championship in Dänemark kennen. Dort nahm er im vergangenen Jahr teil und belegte in allen drei Kategorien vordere Plätze. Beim Performance Team – Freestyle kletterte Rainer Berndt mit auf das oberste Podest.

Die Organisatoren hoffen auf einen guten Deutschlandstart für die Piloten und ihre Oldtimer. Und regnen soll es auch nicht, da können die Teilnehmer nicht in die Luft gehen. „Wir wünschen allen Holm- und Rippenbruch, da werden die Wettkämpfe garantiert ein Erfolg.“

Ilona Berger über die Bedeutung des Flugplatzes (Kommentar)

Was fällt Ihnen bei Gera ein? „Bauhaus“, sagte spontan eine Frau. „Darüber schreiben doch auch die großen Zeitungen.“ Ist Gera eine gefragte Stadt? Schulterzucken. Ihre Freundin schaltet sich ein „Es gibt doch keine großen Betriebe mehr. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.“ Gera ginge es nicht gut, sei sie felsenfest der Meinung. Erfurt, Weimar und Jena würden boomen, so die 50-jährige Verkäuferin. „Wer soll schon zu uns kommen“, fragt sie. Flieger zum Beispiel.

In diesen Kreisen ist Gera bekannt wie ein bunter Hund. Viel populärer und beliebter als die Flugplätze in Erfurt oder Jena. Die Aussage von Rainer Berndt erfreut. Leumnitz ziehe mit. Da würde nicht lange geredet, sondern gehandelt. Ein Grund, weshalb die Weltmeisterschaft im Oldtimer Kunstflug in unsere Stadt gekommen ist. Hier finden die Veranstalter optimale Bedingungen für ihren Sport. Fliegen, sich austauschen und natürlich gemeinsam Spaß ­haben. Und Geld geben die Teilnehmer auch aus, weil sie in Hotels wohnen und in Restaurants essen gehen. Fühlen sich die Piloten in unserer Stadt wohl, spricht sich das rum.

Diesen Bonus dürfen wir nicht vergeben. Noch scheitert die Landebahnverlängerung aber an der Finanzierung. Erstere ist unabdingbar, um die europäische Norm für Verkehrslandeplätze wieder zu erreichen. Dann darf zum Beispiel ein Unternehmen auch für Dritte Leumnitz anfliegen. Etwa 50 bis 60 Starts und Landungen gäbe es so mehr im Jahr und Gera wäre in Wirtschaftkreisen gefragt wie lange nicht mehr.